GEDOK STUTTGART
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Barockorchester

Foto: Jan Engelhardt
Foto: Jan Engelhardt
Foto: Jan Engelhardt

Jugend-Barockorchester „Die Telemänner“ der GEDOK Stuttgart e.V.
Konzert vom 22.8.2021 im Mozartsaal/Stuttgart

Gespielt wie die Großen

›Feel The Fun‹ – Das Jugend-Barockorchester ›Die Telemänner‹ begeistert im Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart

Ein Konzert in dieser Saison mit einem anspruchsvollen Programm anzubieten, ist gleichzeitig eine Herausforderung und ein Geschenk. Das Jugend-Barockorchester ›Die Telemänner‹ der GEDOK Stuttgart e.V. stellte sich dieser Aufgabe und bot ein fulminantes Programm.

Johann Sebastian Bachs Ouvertüre BWV 1066 im französischen Stil eröffnete das Konzert im gut besuchten Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart. Festlich musiziert und in souverän-barocker Artikulation erklangen die Eckteile. Im Mittelteil zeigten Solistinnen Jara Hilliges, Nina Schusterova (Violine), Jule Köhler (Violoncello) und Tina Wang (Spinett) ihre virtuosen Fertigkeiten in feiner Abstimmung mit dem Ensemble.

Pachelbels ›Kanon‹ für drei Geigen folgte in meditativer Ruhe. Jara Hilliges, Koharu Maurer und Pauline Armbruster (Violine) präsentierten dieses Werk, welches die Formen Chaconne und Kanon kombiniert, mit großer Klangschönheit und streicherischer Finesse.

Ein Highlight des Konzerts war Händels Harfenkonzert B-Dur op. 4 Nr. 6. Mit differenzierter Dynamik und großer Stilsicherheit interpretierte Theresa Bogisch die Solopartie. Das Ensemble begleitete aufmerksam und transparent.

Unter Vivaldis 450 Instrumentalkonzerten ist das Doppelkonzert a-Moll für zwei Geigen op. 3 Nr. 8, a-Moll aus ›L’estro harmonico‹ eines der berühmtesten. Amanda Baier und Varad Patil interpretierten es mit temperamentvoller Virtuosität, ohne dass sie auf die ausdrucksstarken Momente des zweiten Satzes verzichtet hätten.

Ein wahrhaft kosmopolitisches Stück stand mit Aleksey Igudesmans ›Winter Palace‹ auf dem Programm. Sowohl die freitonalen Akkorde als auch die rhythmischen Verschiebungen stellen hohe Anforderungen an die Interpreten dar. Die Telemänner zeigten hier differenzierte Streichtechnik und überbordende Spielfreude.

Das 20-köpfige Ensemble bot im Folgenden einen krassen Gegensatz zum vorangegangenen Programm. Das Werk ›Baltic Sea Elegy‹ des estnischen Komponisten Rein Rannap, welches ausdrucksstark an den Untergang der ›Estonia‹ 1994 erinnert, fordert ausgefallene Spieltechniken ebenso wie eine versierte Intonation. Diese war von den 11-18jährigen Telemännern ebenso zu hören wir eine bewegende und spannungsreiche Interpretation.

Die Cellosolistin Jule Köhler brachte Antonio Vivaldis Cellokonzert h-Moll op. 3 Nr. 9 klangschön und hochvirtuos zu Gehör. Als konzertierende Cellistin des Ensembles unterstütze sie Valentina Graef mit großer Sensibilität.

Elegisch begann der zweite Satz aus ›Four American Seasons‹ von Philip Glass, in dem Amanda Baier auf der Geige durch eine nuancierte Klanggebung bezauberte, bevor sie sich gemeinsam mit dem Ensemble voller Verve in den anspruchsvollen Folgesatz stürzte. Es entstand ein Feuerwerk aus perkussiven Rhythmen und akkordischen Rückungen.

Mit der ›Heimatlichen Weise‹ des estnischen Komponisten Heino Eller sowie Mozarts Divertimento KV 138 beendete das Ensemble das beeindruckende Konzert, welches das Publikum mit langanhaltendem Applaus würdigte. Das Konzertprojekt wurde maßgeblich von der Anton- und Petra-Ehrmann-Stiftung unterstützt.

Dass die Musik der Telemänner nicht nur das Publikum, sondern auch die Akteure selbst begeistert, macht die Rückmeldung eines Vaters deutlich: ›Unserem Sohn haben die Telemänner-Workshops immer riesigen Spaß gemacht. In den inzwischen schon 1,5 Jahren mit Corona-Beschränkungen waren die Telemänner die einzige echte Herausforderung für ihn. Er hat sich dadurch nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich enorm weiterentwickelt.‹

Auditions für die Projekte der Telemänner im Herbst 2021 finden am 18.9. statt und richten sich an 11-16-jährige Instrumentalist*Innen aus der Region Stuttgart. Die ›Telemänner Minis‹ finden am 6./ 7.11. für 8-10-jährigen Streicher*Innen statt. Anmeldungen/ Kontakt: GEDOK@gedok-stuttgart.de, Tel. 0711 80 64 019.