GEDOK STUTTGART
Menü

Das Unmögliche möglich gemacht

Das Unmögliche möglich gemacht

Sensationell könnte man es bezeichnen, was das Jugend-Barockorchester „Die Telemänner“ an diesem Wochenende im Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart präsentierte. Die erste Gesamtprobe hatte erst zwei Tage vorher stattfinden können, trotzdem boten die Telemänner unter Leitung von Steffi Bade-Bräuning ein vielseitiges und anspruchsvolles Konzertprogramm.

Die 11-18jährigen Musiker waren durch gemeinsame Online-Proben bestens vorbereitet auf die Werke, die sie zum Klingen brachten. Und so wurden die Akteure des Abends vorgestellt, wie Stars eines Fußball-Teams als Slide-Show, noch bevor die Musik startete.

Den Anfang machten die 8-10jährigen Telemänner Minis mit dem tschechischen Traditional „Nechod Tam“, das sie mit großer Spielfreude und klarer Intonation darboten. Gefolgt wurde das Werk von Bachs Ouvertüre C-Dur, diesmal von der Stammgruppe, den Telemännern, in rhythmischer Präzision und bogentechnischer Klarheit gespielt. Hier fand die Spielfreude in technischer Versiertheit einen guten Partner.

Als populären Barockbeitrag spielten im Anschluss Jara Hilliges, Koharu Maurer und Pauline Armbruster Pachelbels berühmten Kanon, begleitet von Jule Köhler (Cello) und Tina Wang (Spinett). Die jungen Solistinnen musizierten auch die virtuosen Passagen souverän und mit großer Ruhe. Eine Überraschung bot sich mit Händels Harfenkonzert B-Dur, in welchem Theresa Bogisch mit differenziertester Dynamik und Agogik als Solistin glänzte, während das Ensemble sie feinfühlig und stilsicher begleitete.

Ein außergewöhnliches Stück von Aleksey Igudesman stand anschließend auf dem Programm. In „Winter Palace“ des deutsch-russisch-amerikanischen Komponisten transportierten die Musiker alle musikalischen Facetten dieser vielseitigen Musik. Von sinnlich-melancholisch zu Beginn bis zum fulminanten Schluss, über Passagen mit Klezmer-artigen Melodiefetzen waren die Musikerinnen und Musiker voll gefordert.

Mit „American Seasons“ von Philip Glass hatte das Ensemble eine mutige Wahl getroffen. Die perkussiven Rhythmen, Akkordverschiebungen und halsbrecherischen solistischen Passagen brachte die junge Solistin im Zusammenspiel mit dem Orchester souverän und pointiert an die Zuhörer/innen. Klangschön und im freien Gestus gestaltete sie den ersten Satz, während sie im zweiten fast rockig-rhythmisch artikulierte.

Eher als Spaß gemeint – entsprechend dem Motto des Konzerts „Feel The Fun“- war sicher der Song „The Wellerman“ in einem Spezialarrangement für Streicher. Die Folk-Klänge boten zudem einen guten musikalischen Kontrast zum restlichen Programm.

Mit W.A. Mozarts Divertimento F-Dur KV 138 schloss das Programm. Obwohl sich das Ensemble hauptsächlich auf barocke und moderne Musik fokussiert, brachten sie mit diesem Wiener Highlight einen letzten Höhepunkt des Abends. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus im ausverkauften Haus.

Das Konzert wurde maßgeblich unterstützt durch die Anton- und Petra Ehrmann-Stiftung und wird am 22.August im Mozartsaal der Liederhalle wiederholt. Kartenreservierung unter www.sbb-musik.de/konzertanmeldung

Ferienprogramm 2021:
Die Telemänner laden interessierten Instrumentalisten im Alter von 8-16 Jahren zu den kommenden Workshops inklusive Konzertreise nach Wien ein: Telemänner Minis: 17./18.7., Die Telemänner: 16.-22.8. in Stuttgart. Info:, Anmeldung/ Info: sbb@sbb-musik.de; www.gedok-stuttgart.de

Text und Fotos dürfen rechte- und gebührenfrei genutzt werden.
Fotos: ChristianWitt