GEDOK STUTTGART
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Letztes Konzert vor dem Lockdown

Letztes Konzert vor dem Lockdown

Mutig und voller Spielfreude bot das Jugend-Barockorchester „Die Telemänner“ der GEDOK Stuttgart am letzten Wochenende ein Konzert mit barocker und moderner Musik im Mozartsaal der Liederhalle.

„Dances at the Sea“ hatten die 11-18jährigen Musiker ihr Konzert benannt, welches im Rahmen der Impulsförderung „Kunst trotz Abstand“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt worden war und unter strengen Hygieneauflagen durchgeführt wurde.

Den Auftakt bildeten zwei Sätze aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuiten, zunächst die Badinerie aus seiner Suite h-Moll (BWV 1067) in einer eigenen Bearbeitung sowie die Ouvertüre der C-Dur-Suite (BWV 1066). In beiden Werken zeigte das ambitionierte Nachwuchsensemble stilgerechte Herangehensweise sowie rhythmische Präzision und perlende Läufe. In den Solopartien zeigen Jara Hilliges (Violine 1), Javier Reyes (Gast, Violine 2) und Anna Pruss (Cello) großen musikalischen Teamgeist und technische Versiertheit.

Als Barock-Pop kann man Pachelbels Kanon inzwischen schon bezeichnen, der dann folgte. Jara Hilliges, Koharu Maurer und Tabea Petzold (Solo-Violine1-3), meisterten die virtuosen Passagen souverän und aus der Ruhe heraus. Begleitet wurden sie von der klanglich fein abgestimmten Bassgruppe bestehend aus Anna Schoech (Cello), Tina Wang (Spinett) und Nataly Gonzalez (Gast, Kontrabass).

Das Konzert, welches eher wie ein Fußballspiel mit der Vorstellung der Akteure begonnen hatte, wurde fortgesetzt mit Wolfgang Amadeus‘ Divertimento KV 138, dem einzigen klassischen Werk des Abends. Obwohl die Telemänner normalerweise die Klassik und Romantik eher den Jugendsinfonieorchestern überlassen, überzeugten sie hier durch differenzierte Klänge, die weder in Phrasierung noch in Artikulation Wünsche offen ließen.

Die „Heimatlichen Weisen“ des estländischen Komponisten Heino Eller brachten schwelgende Streichermelodien in die Liederhalle. Der Komponist, der zeitgleich mit Igor Strawinsky lebte und einst Lehrer Arvo Pärts war, zeigt hier seine Verbundenheit mit der traditionellen estländischen Musik. Die Telemänner gestalteten das Werk einfühlsam und intonationssicher.

Als ein weiteres Highlight war Astor Piazzollas „Verano Porteno“ mit der jungen Geigerin Amanda Baier zu hören. Die bereits mehrfach ausgezeichnete Solistin hielt das Publikum mit ihrem virtuosen Spiel im Bann. Die Mitmusiker/innen motivierte sie zu einem animierten musikalischen Dialog, der facettenreich und mit Verve gefüllt war.

Alexey Igudesmans „Winter Palace“ bildete den fulminanten Abschluss eines denkwürdigen Konzerts. Trotz Maskenpflicht für Spieler/innen und Publikum schafften es die Musiker/innen unter Leitung von Steffi Bade-Bräuning, den Atem der Musik an das Publikum weiterzugeben, und damit ein Leuchten in ihren Alltag zu bringen. Eine große Leistung und eine bedeutsame Geste in diesen bewegten Zeiten.

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus, sichtlich bewegt von der Leistung der engagierten Musiker/innen.